Sturm und Drang
(1770-1785)
Werther und Lotte aus "Die Leiden des jungen Werthers", von Daniel Chodowiecki - Scan einer Faksimile-Ausgabe des Originals, Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932, S. 37, Gemeinfrei
Geschichtlicher Hintergrund
Der Sturm und Drang entstand als literarische Jugendbewegung in bewusster Abgrenzung zur Aufklärung. Während die Aufklärung Vernunft, Regeln und Maß forderte, betonten die jungen Autoren Gefühl, Leidenschaft und das freie schöpferische Genie.
Die Epoche fiel in eine Zeit gesellschaftlicher Spannungen: Das Bürgertum forderte mehr politische und soziale Rechte, stand aber weiterhin unter dem Druck von Adel und absolutistischer Ordnung. Für die junge Generation war Literatur ein Mittel, gegen starre Normen, Autoritäten und Zwänge zu rebellieren.
Der Name geht zurück auf das Drama Sturm und Drang (1776) von Friedrich Maximilian Klinger.
Charakteristika der Literatur
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Geniegedanke: Dichter gelten als freie, schöpferische Genies – sie folgen nicht starren Regeln, sondern ihrem Gefühl.
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Gefühl vor Vernunft: Leidenschaft, Naturverbundenheit und Originalität sind wichtiger als Rationalität.
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Themen:
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Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft
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Kampf gegen Tyrannei und Willkür des Adels
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Freiheit des Einzelnen
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Natur als Spiegel innerer Emotionen
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Liebe und Leidenschaft, oft tragisch
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Sprache: Expressiv, emotional, voller Ausrufe, Ellipsen und Metaphern.
Literarische Formen
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Drama: wichtigste Gattung, zielt auf gesellschaftliche Wirkung → Konflikte zwischen Adel und Bürgertum, Generationenkonflikte, Freiheitsdrang.
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Lyrik: Hymnen, Oden, Naturgedichte, geprägt von Überschwang und Gefühl.
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Prosa/Roman: Briefromane, Erzählungen über leidenschaftliche Helden, Außenseiter und schwärmerische Figuren.
Bedeutende Vertreter
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Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832):
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Roman Die Leiden des jungen Werthers (1774) → Briefroman, Auslöser einer europaweiten „Werther-Mode“.
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Drama Götz von Berlichingen (1773) → Ritterdrama, Aufbegehren gegen Tyrannei.
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Friedrich Schiller (1759–1805):
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Drama Die Räuber (1781) → Brüderkonflikt, Freiheit, Kampf gegen Ungerechtigkeit.
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Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792):
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Dramen wie Der Hofmeister und Die Soldaten → soziale Kritik, vor allem an der Unterdrückung von Frauen und am Militärwesen.
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Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831):
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Stück Sturm und Drang (1776) → Namensgeber der Epoche.
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Heinrich Leopold Wagner (1747–1779):
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Die Kindermörderin (1776) → Tragödie über gesellschaftliche Zwänge und Schuld.
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Bedeutende Werke
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Goethe: Die Leiden des jungen Werthers (1774) – Briefroman, Ausdruck von Leidenschaft und Weltschmerz, stilprägend für die Epoche.
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Goethe: Götz von Berlichingen (1773) – Freiheitsdrama um einen Ritter als Symbol des Widerstands.
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Schiller: Die Räuber (1781) – Drama über Freiheit, Brüderkonflikt und Tyrannei.
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Lenz: Der Hofmeister (1774), Die Soldaten (1776) – Gesellschaftskritische Dramen, zeigen bürgerliches Elend und die Benachteiligung von Frauen.
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Wagner: Die Kindermörderin (1776) – radikales Gesellschaftsdrama.
Bedeutung der Epoche
Der Sturm und Drang war die erste große Jugendbewegung der deutschen Literatur. Er stellte die Regeln der Aufklärung infrage und setzte stattdessen auf Freiheit, Gefühl und Originalität.
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Literatur wurde zum Ausdruck persönlicher Leidenschaft und Rebellion.
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Das Individuum und seine innere Wahrheit standen im Mittelpunkt.
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Viele Autoren (Goethe, Schiller) entwickelten sich später in der Weimarer Klassik weiter, doch ihre frühen Werke des Sturm und Drang bleiben Zeugnisse jugendlicher Radikalität.
Die Epoche prägte das Bild des Dichters als freies schöpferisches Genie – ein Gedanke, der bis heute das Verständnis von Kunst beeinflusst.