Deutsche Literatur 1933 bis 1945

"Die Toteninsel" von Arnold Böcklin, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1690675

Geschichtlicher Hintergrund

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 endete die kulturelle Vielfalt der Weimarer Republik abrupt. Viele Autor:innen, die sich demokratisch, sozialistisch oder jüdisch positionierten, wurden verfolgt, ins Exil getrieben oder ermordet. Am 10. Mai 1933 fanden die berüchtigten Bücherverbrennungen statt – ein symbolischer Akt der „Säuberung“ und Gleichschaltung der Kultur.

Die Literatur der Jahre 1933–1945 lässt sich in drei große Bereiche einteilen:

  1. Exilliteratur (1933–1945) – Autoren im Ausland, die gegen den Nationalsozialismus schrieben.

  2. Innere Emigration – Schriftsteller, die in Deutschland blieben, aber zwischen Anpassung, Tarnung und verdecktem Protest schwankten.

  3. NS-Literatur – Propagandistische Texte, die das Regime stützten.

Exilliteratur

Etwa 1.500 Schriftsteller:innen verließen Deutschland nach 1933. Zentren des Exils waren Paris, Zürich, Prag, Moskau, später auch London, New York und Mexiko.

  • Thomas Mann (1875–1955): wichtigster Vertreter, Romane und Essays im Exil, Josephsromane, Reden gegen Hitler („Deutsche Hörer!“).

  • Heinrich Mann (1871–1950): Essays gegen Faschismus, Roman Henri Quatre.

  • Bertolt Brecht (1898–1956): Emigration über Skandinavien in die USA; Exildramen (Furcht und Elend des Dritten Reiches, Leben des Galilei).

  • Anna Seghers (1900–1983): Das siebte Kreuz (1942) – Roman über Flucht und Widerstand.

  • Lion Feuchtwanger (1884–1958): Romane (Exil, 1940).

  • Stefan Zweig (1881–1942): Die Schachnovelle (1942, posthum), verzweifelte Emigrationsliteratur.

  • Else Lasker-Schüler (1869–1945): Lyrik im Exil, Emigration nach Palästina.

Innere Emigration

Manche Autoren blieben in Deutschland und versuchten, verdeckt Kritik zu üben oder sich ins Unpolitische zurückzuziehen.

  • Ernst Jünger (1895–1998): ambivalente Figur, schrieb während des Krieges Tagebücher (Strahlungen).

  • Gertrud von le Fort (1876–1971): religiöse Literatur.

  • Frank Thiess (1890–1977): Romane ohne offene NS-Propaganda.

  • Reinhold Schneider (1903–1958): Widerstandsliteratur in verschlüsselter Form.

NS-Literatur

Das Regime versuchte, eine „völkische“ Literatur zu schaffen, die Blut-und-Boden-Ideologie, Führerkult und Krieg verherrlichte.

  • Hanns Johst (1890–1978): Dramatiker, Präsident der Reichsschrifttumskammer, Stück Schlageter.

  • Josef Weinheber (1892–1945): österreichischer Lyriker, Anpassung an NS-Ideologie.

  • Blut-und-Boden-Dichtung: verherrlichte Bauerntum, Heimat, Opferbereitschaft.

Bedeutende Werke

  • Exilliteratur:

    • Thomas Mann: Joseph und seine Brüder (1933–43), Essays Deutsche Hörer!

    • Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches (1938), Leben des Galilei (1939)

    • Anna Seghers: Das siebte Kreuz (1942)

    • Zweig: Die Schachnovelle (1942)

  • Innere Emigration:

    • Reinhold Schneider: verschlüsselte Widerstandsliteratur

  • NS-Literatur:

    • Hanns Johst: Schlageter (1933)

    • Blut-und-Boden-Erzählungen (z. B. von Ewers, Lienert)

Bedeutung der Epoche

  • Die deutsche Literatur 1933–1945 war zersplittert: Anpassung, Schweigen, Emigration.

  • Im Exil entstand ein bedeutender Teil der deutschsprachigen Weltliteratur, die gegen Faschismus und Krieg Stellung bezog.

  • Die „innere Emigration“ bewahrte trotz Zensur Ansätze kritischen Denkens.

  • Die NS-Propagandaliteratur blieb nach 1945 weitgehend bedeutungslos, während Exilautoren wie Mann, Brecht, Seghers und Zweig den antifaschistischen Kanon prägten.