Österreichische Literatur von
1918 bis 1938
"Unterführung in Spandau" von Gustav Wunderwald, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=103992014
Geschichtlicher Hintergrund
Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 entstand die Erste Republik Österreich, ein kleiner Staat, der mit wirtschaftlichen Krisen, Inflation und politischer Polarisierung zu kämpfen hatte. Auf der einen Seite stand die Sozialdemokratie, auf der anderen konservative und katholische Kräfte. Ab 1933 entwickelte sich unter Engelbert Dollfuß und später Kurt Schuschnigg der autoritäre Ständestaat. 1938 folgte der Anschluss an Hitlerdeutschland – viele Schriftsteller mussten emigrieren oder wurden verfolgt.
Trotz dieser instabilen politischen Lage entfaltete sich in den 1920er und frühen 1930er Jahren eine bemerkenswerte literarische Vielfalt, die international Beachtung fand.
Charakteristika der Literatur
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Auseinandersetzung mit der verlorenen Monarchie: Nostalgie, Verarbeitung des kulturellen Zerfalls.
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Kritik an Gesellschaft und Politik: Satire, Zeitdiagnosen, politische Literatur.
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Psychologische Tiefe: Interesse an Trieben, Bewusstsein und Unterbewusstsein (Einfluss von Freud und der Psychoanalyse).
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Neue Dramatik: Politisches Theater, Volksstücke mit kritischem Kern.
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Exilliteratur nach 1933/38: Viele Autor:innen verließen Österreich und schrieben gegen Nationalsozialismus und Faschismus.
Bedeutende Strömungen und Autoren
Satire & Gesellschaftskritik
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Karl Kraus (1874–1936): scharfer Kritiker von Presse, Politik und Gesellschaft. Zeitschrift Die Fackel, Drama Die letzten Tage der Menschheit (über den Ersten Weltkrieg).
Prosa & „Verlorene Mitte“
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Robert Musil (1880–1942): Monumentalroman Der Mann ohne Eigenschaften – zentrales Werk der Moderne, kritische Analyse der k. u. k.-Gesellschaft und der Zwischenkriegszeit.
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Hermann Broch (1886–1951): Die Schlafwandler (1930–32) – Darstellung des Wertezerfalls, Der Tod des Vergil (1945 im Exil).
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Joseph Roth (1894–1939): Chronist des Untergangs der Monarchie. Romane wie Radetzkymarsch (1932), Kapuzinergruft (1938).
Theater & Volksstück
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Ödön von Horváth (1901–1938): Gesellschaftskritische Volksstücke (Geschichten aus dem Wiener Wald, 1931; Kasimir und Karoline, 1932). Satirische Analyse der „kleinen Leute“ in Krisenzeiten.
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Franz Theodor Csokor (1885–1969): Dramatiker, Stück 3. November 1918 über den Zusammenbruch der Monarchie.
Lyrik & Exil
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Franz Werfel (1890–1945): Lyrik, Dramen, später Romane (Die vierzig Tage des Musa Dagh).
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Stefan Zweig (1881–1942): Essayist, Erzähler (Die Schachnovelle, posthum 1942). Seine populären Biografien und Novellen machten ihn zu einem der meistgelesenen Autoren Europas.
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Elias Canetti (1905–1994): späterer Literaturnobelpreisträger, Roman Die Blendung (1935).
Bedeutende Werke (Auswahl)
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Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit (1918–22)
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Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1930–42, unvollendet)
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Hermann Broch: Die Schlafwandler (1930–32)
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Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932), Die Kapuzinergruft (1938)
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Ödön von Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald (1931), Kasimir und Karoline (1932)
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Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933)
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Stefan Zweig: Die Schachnovelle (1942, posthum veröffentlicht)
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Elias Canetti: Die Blendung (1935)
Bedeutung der Epoche
Die österreichische Literatur zwischen 1918 und 1938 gehört zu den bedeutendsten Phasen der deutschsprachigen Moderne:
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Sie verarbeitete den Untergang der Monarchie und die Krisen der Republik.
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Sie schuf mit Musil, Roth, Broch und Horváth Werke von internationalem Rang.
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Viele Schriftsteller wurden durch den Faschismus ins Exil getrieben, wodurch Wien als literarisches Zentrum zerfiel.
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Ihre Bücher spiegeln die Spannungen einer Epoche zwischen Untergang und Aufbruch – und gehören bis heute zum Weltkanon.